23. Februar 2011

Nix auf dem Herzen

Ich bin Vegetarierin, esse also aus ethischen und ökologischen Gründen kein Fleisch. Ich frage mich, wieso ich kein Mädchen kenne, welches sich nennenswert davon gestört fühlt, dass es später schlechtere Berufsbedingungen haben wird als ein Mann und wie es passieren konnte, dass das in den Zeitschriften abgebildete Idealbild einer Frau einem It-Girl auf Diät entspricht.  Ich bin ungläubig und kritisiere die starke Religiosität in den Vereinigten Staaten.

Das macht mich aber noch lange nicht zu einer verbitterten Tierschützerin, einer frustrierten Emanze oder einer radikalen Atheistin.

Vermutlich kann einem jeder, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, bestätigen, dass es nicht an allererster Stelle die Rechtsextremen sind, die das Engagement oft so ernüchternd machen. Es ist die Gleichgültigkeit, die sich einem wie ein dicker, schwerer Klotz in den Weg stellt, wenn man versucht, seine Gedanken und Ideen mit anderen zu teilen. Und die Tatsache, dass es chic geworden zu sein scheint, damit zu kokettieren und es lautstark zu demonstrieren, dass man absolut keinen Plan vom Thema hat.

Niemanden scheint es zu stören, dass diejenigen, die dein Interesse ins Lächerliche ziehen, das auf eine unfassbar unlustige Art und Weise tun. Macht es mich zu einer humorlosen Fundamentalistin, wenn ich darüber nicht lachen kann? Ich denke nicht. Dass die Mehrheit der Leute über Mario Barth nicht lachen kann, liegt schließlich auch nicht daran, dass die Mehrheit der Leute radikale Feministen sind, sondern dass dieser Mann schlicht und einfach nicht lustig ist.

Nein, es lebt sich wirklich nicht leicht, wenn man sich für eine Sache wahnsinnig interessiert. Und je provinzieller die Umgebung wird, desto deutlicher wird das. Wenn jemand wissen will, wieso ich Vegetarierin bin, dann frage ich mich zwar, wie es sein kann, dass diese Person von Themen wie Massentierhaltung oder die daraus resultierende enorme Umweltbelastung nichts mitbekommen konnte, aber ich bin gerne bereit, ihr meinen Standpunkt zu erläutern. Lieber spät als gar nicht. Wenn diese Person anschließend nicht meiner Meinung ist, dann bin ich ehrlich gesagt sogar ziemlich froh, dass jemand bereit ist, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen; möglicherweise ist in meiner Argumentation sogar ein gewaltiger Fehler, aber es ist auch nicht der Gegenwind, der mich aufregt. Denn wenn mir diese Person nach jedem meiner Argumente „total Recht“ gibt und ich bekomme dann später mit, dass selbige Person an einer Demonstration gegen Pelz nicht teilnehmen möchte, und zwar aus  dem Grund „Kein Bock“, dann habe ich das Gefühl, ich wäre vollkommen gegen eine Wand gefahren. Wie kann es sein, dass der Grund „Kein Bock“ ist und nicht einmal „Meiner Meinung nach ist es besser, den Pelz zu verwerten, als ihn wegzuschmeißen“?

Ich wünschte mir, mir würde hin und wieder jemand auf die Füße treten oder sich zu weit aus dem Fenster lehnen, hauptsache irgendeine Reaktion, die mir zeigt, dass sich in seinem Kopf mehr als nur bemerkenswerte Weiten der Leere befinden. Dass hin und wieder auch nur ein kleines bisschen Leidenschaft in deinen Augen aufblitzt, wenn du über etwas sprichst, und dich nicht alles total kalt lässt. Das wäre eigentlich auch schon alles.

1 Kommentar to “Nix auf dem Herzen”

  1. viel glück ve_re_na !*

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