11. Februar 2011

Wenn Eiskugeln das Klima retten sollen

Mit Schoko und Vanille die Erderwärmung ein Stück weit stoppen: Beim vierten sogenannten Carrotmob haben über 200 Umweltschützer die Berliner Eisdiele “Vanille&Co” besucht. Zuvor hatte die Besitzerin versprochen, über 100 Prozent des Tagesumsatzes in energiesparende Geräte zu investieren und so dem Klima zu helfen. Und natürlich dem eigenen Konto.

erschienen auf klimaretter.info am 11. Juli 2010

Aus Berlin Felix Werdermann

Die Hitze scheucht die Leute nach drinnen. Draußen sind es 37 Grad im Schatten. In der Eisdiele “Vanille&Co” ist es ein wenig kühler. Alle Stühle sind belegt, an einem Tisch sitzt eine Gruppe aus sechs jungen Leuten. Einer von ihnen ist Ralf. Er ist aus Berlin-Friedrichshain einmal quer durch die Stadt in den West-Stadtteil Wilmersdorf gekommen. “Ich habe die E-Mail gelesen und fand die Aktion echt cool.” Die BUNDjugend hat einen Carrotmob organisiert, das Motto: “Eis fürs Klima”.

Ein Carrotmob, das sei “die Umkehrung des Boykotts”, erklärt Leon Ginzel von der BUNDjugend. Das Prinzip: Verbraucher tun sich zusammen und kaufen an einem Tag gezielt in einem Laden ein – der im Gegenzug verspricht, umweltfreundlicher zu werden. Dem Laden soll im übertragenen Sinne eine Karotte vor die Nase gehalten werden, um ihn in die richtige Richtung zu locken. Daher der Name: Carrotmob.

Über 100 Prozent des Umsatzes wird investiert

Um eine maximale Wirkung zu erzielen, gibt es vorher einen Wettbewerb unter den Läden. Die BUNDjugend hat beispielsweise knapp 20 Eisdielen angeschrieben, die Auswahl basiert auf privaten Empfehlungen. Drei Läden haben sich zurückgemeldet und ein Angebot unterbreitet. Vanille&Co gewann – die Eisdiele hat angeboten, mehr als 100 Prozent des Tagesumsatzes in Energiespar-Maßnahmen zu investieren.

Damit erreicht die Aktionsform eine neue Dimension: Erstmals gibt ein Laden mehr Geld aus als er an dem Tag des Carrotmobs einnimmt. Bei den drei vorherigen Aktionen wurde rund die Hälfte des Umsatzes in Energieeinsparungen gesteckt. Ursprünglich kommt die ungewöhnliche Protestform aus den USA. Im letzten Sommer gab es den ersten Carrotmob in Berlin – damals wurden die Teilnehmenden zu einem Spätkauf mobilisiert. Es folgten eine Imbussbude und ein Blumenladen. Und nun, am bisher heißesten Tag des Jahres 2010, war eine Eisdiele dran.

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Teilnehmer konnten sich vor der Eisdiele als Karotte ablichten lassen. (Foto: Werdermann)

Ein Energieberater vom BUND hatte im Vorfeld der Aktion die Einsparpotentiale des Ladens begutachtet. In seinem Protokoll heißt es: “Ich habe mehrere ältere Kühl- oder Gefriergeräte vorgefunden, deren Austausch sich aus Klimaschutz- und Kostengründen lohnen würde.” Auch andere Geräte und Lampen sollten neu gekauft werden, außerdem solle der Laden auf Standy-By-Schaltung verzichten und seinen Strom von einem Ökoanbieter beziehen. Durch diesen Wechsel könnten jährlich insgesamt 12,7 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) eingespart werden – das ist etwas mehr als ein Durchschnittsdeutscher im Jahr ausstößt.

Sparsamere Geräte, Ökostrom und kein Stand-By

Was tatsächlich geändert wird, soll bei einem weiteren Beratungsgespräch in zwei Wochen festgelegt werden – dann steht auch fest, wieviel Geld durch den Carrotmob zusammengekommen ist. Ralf ist jedenfalls fleißig am Schlecken und sagt: “Ich hoffe, dass möglichst viel in die Kasse kommt, damit der Laden umweltfreundlicher wird.”

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Großer Andrang in der Eisdiele – obwohl die Kugel mindestens einen Euro kostet. (Foto: BUNDjugend Berlin)

Doch für Vanille&Co ist der Aktionstag kaum mehr als eine willkommene Gelegenheit, zusätzliches Geld einzunehmen. Besitzerin Gisela Trögele erwartet einen “Umsatzrekord” – und erklärt zugleich, die energiesparenden Neuanschaffungen hätten sich “auf jeden Fall” gelohnt. “Wenn wir jedes Jahr mehrere hundert Euro an Strom sparen, ist das eine gute Investition.”

Dass die Eisdiele anscheinend ohnehin neue Geräte kaufen wollte, stört Organisator Ginzel wenig. “Das ist ja für beide Seiten gut – fürs Klima und für den Laden.”

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