Das Internet hat sich in den vergangenen zehn Jahren als ein wichtiges Medium etabliert, das von vielen täglich genutzt wird. Dabei bietet es zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten – von Unterhaltung bis Information. Alle Inhalte stehen rund um die Uhr zur Verfügung und müssen nur durch ein paar Klicks abgerufen werden – das Internet ist Fernsehen, Radio und Tageszeitung zugleich.
Katrin Busemann und Bernhard Engel von der ZDF-Medienforschung haben sich jetzt mit der Frage beschäftigt, ob das Internet unsere Motive bestimmte Medien zu nutzen verändert. Hierfür verwendeten sie Daten der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation, die seit 1964 etwa alle 5 Jahre durchgeführt wird und die Mediennutzung der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren dokumentiert. Seit dem Jahr 2000 kann die Studie auch Daten über das Internet vorweisen.
Die Bedeutung der traditionellen Medien Fernsehen, Radio und Tageszeitung habe für fast alle Nutzungsmotive im Zeitverlauf abgenommen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Media Perspektiven“. Das Internet dagegen könne einen vollständig gegenläufigen Trend vorweisen: Seine Bedeutung nahm für alle Nutzungsmotive rasant zu. Nutzten beispielsweise im Jahr 2000 nur 8 Prozent aller Befragten hauptsächlich das Internet zur Unterhaltung, so sind es im Jahr 2010 schon 27 Prozent. Damit liegt das Internet hinsichtlich dieses Motivs nur hinter dem Fernsehen (44 Prozent), aber deutlich vor dem Radio (23 Prozent) und der Tageszeitung (6 Prozent). Mit Web 2.0-Anwendungen wie sozialen Netzwerken, Online-Spielen und Videoplattformen ist das Internet mittlerweile zu einem beliebten Medium der Freizeitgestaltung geworden.
Als besonders bemerkenswert sehen Busemann und Engel die Entwicklungen bei dem Nutzungsmotiv der Information: Im Jahr 2000 nutzten nur 8 Prozent der Befragten hauptsächlich das Internet zur Information, im Jahr 2010 sind es bereits 29 Prozent. Damit ist das Internet sogar kurz nach der Tageszeitung, die 32 Prozent hauptsächlich zur Information nutzen, das wichtigste Medium für dieses Motiv. Auch für das Motiv ‚Denkanstöße bekommen‘ kann das Internet mit 27 Prozent sehr hohe Werte vorweisen. Die Forscher vermuten angesichts dieses starken Bedeutungszuwachses, dass das Internet zukünftig zu dem Medium schlechthin für Denkanstöße werden wird. Schließlich bietet es dafür die besten Möglichkeiten: Nicht nur die Internetseiten der traditionellen Nachrichtenmedien können online genutzt werden, auch Formate wie Weblogs bieten Inhalte und Perspektiven, die zum Nachdenken anregen können.
Dass das Internet der alleinige Verursacher für diese Veränderungen ist, kann die Studie nicht eindeutig nachweisen. Dennoch betrachten Busemann und Engel einen großen Einfluss als naheliegend. Das Internet kann einerseits Fernsehen, Radio und Tageszeitungen durch Online-Angebote derselben teilweise ersetzen, gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten bieten. Insbesondere jüngere Personen, die gewissermaßen in das Internetzeitalter hineingeboren wurden, sind häufig und ganz selbstverständlich online. Für sie steht es außer Frage, das Internet vielfältig zu nutzen – sowohl zur Unterhaltung als auch zur Information. Daher seien in dieser Gruppe besonders deutliche Verschiebungen bei der Medienrelevanz zu erkennen, so die Wissenschaftler. Die zukünftige Entwicklung zu beobachten, bleibe spannend. Insbesondere bei der Frage, ob die Veränderung in den Nutzungsmotiven auch eine Veränderung bei den Nutzungsdauern bewirkt, bestehe noch Forschungsbedarf.















