Journalismus

16. Mai 2012

Zeitalter Internet: Wie verändert sich unsere Mediennutzung?

von

Das Internet hat sich in den vergangenen zehn Jahren als ein wichtiges Medium etabliert, das von vielen täglich genutzt wird. Dabei bietet es zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten – von Unterhaltung bis Information. Alle Inhalte stehen rund um die Uhr zur Verfügung und müssen nur durch ein paar Klicks abgerufen werden – das Internet ist Fernsehen, Radio und Tageszeitung zugleich.

Katrin Busemann und Bernhard Engel von der ZDF-Medienforschung haben sich jetzt mit der Frage beschäftigt, ob das Internet unsere Motive bestimmte Medien zu nutzen verändert. Hierfür verwendeten sie Daten der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation, die seit 1964 etwa alle 5 Jahre durchgeführt wird und die Mediennutzung der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren dokumentiert. Seit dem Jahr 2000 kann die Studie auch Daten über das Internet vorweisen.

Die Bedeutung der traditionellen Medien Fernsehen, Radio und Tageszeitung habe für fast alle Nutzungsmotive im Zeitverlauf abgenommen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Media Perspektiven“. Das Internet dagegen könne einen vollständig gegenläufigen Trend vorweisen: Seine Bedeutung nahm für alle Nutzungsmotive rasant zu. Nutzten beispielsweise im Jahr 2000 nur 8 Prozent aller Befragten hauptsächlich das Internet zur Unterhaltung, so sind es im Jahr 2010 schon 27 Prozent. Damit liegt das Internet hinsichtlich dieses Motivs nur hinter dem Fernsehen (44 Prozent), aber deutlich vor dem Radio (23 Prozent) und der Tageszeitung (6 Prozent). Mit Web 2.0-Anwendungen wie sozialen Netzwerken, Online-Spielen und Videoplattformen ist das Internet mittlerweile zu einem beliebten Medium der Freizeitgestaltung geworden.

Als besonders bemerkenswert sehen Busemann und Engel die Entwicklungen bei dem Nutzungsmotiv der Information: Im Jahr 2000 nutzten nur 8 Prozent der Befragten hauptsächlich das Internet zur Information, im Jahr 2010 sind es bereits 29 Prozent. Damit ist das Internet sogar kurz nach der Tageszeitung, die 32 Prozent hauptsächlich zur Information nutzen, das wichtigste Medium für dieses Motiv. Auch für das Motiv ‚Denkanstöße bekommen‘ kann das Internet mit 27 Prozent sehr hohe Werte vorweisen. Die Forscher vermuten angesichts dieses starken Bedeutungszuwachses, dass das Internet zukünftig zu dem Medium schlechthin für Denkanstöße werden wird. Schließlich bietet es dafür die besten Möglichkeiten: Nicht nur die Internetseiten der traditionellen Nachrichtenmedien können online genutzt werden, auch Formate wie Weblogs bieten Inhalte und Perspektiven, die zum Nachdenken anregen können.

Dass das Internet der alleinige Verursacher für diese Veränderungen ist, kann die Studie nicht eindeutig nachweisen. Dennoch betrachten Busemann und Engel einen großen Einfluss als naheliegend. Das Internet kann einerseits Fernsehen, Radio und Tageszeitungen durch Online-Angebote derselben teilweise ersetzen, gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten bieten. Insbesondere jüngere Personen, die gewissermaßen in das Internetzeitalter hineingeboren wurden, sind  häufig und ganz selbstverständlich online. Für sie steht es außer Frage, das Internet vielfältig zu nutzen – sowohl zur Unterhaltung als auch zur Information. Daher seien in dieser Gruppe besonders deutliche Verschiebungen bei der Medienrelevanz zu erkennen, so die Wissenschaftler. Die zukünftige Entwicklung zu beobachten, bleibe spannend. Insbesondere bei der Frage, ob die Veränderung in den Nutzungsmotiven auch eine Veränderung bei den Nutzungsdauern bewirkt, bestehe noch Forschungsbedarf.

25. April 2012

Journalismus in Peru: Wenn Medien Politik machen

von

Die wichtige Rolle der Medien im gesellschaftspolitischen Diskurs ist heute eine unumstrittene Tatsache. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender und heutzutage vor allem auch das Internet geben die politische Geschehnisse und Meinungen entsprechend ihrer eigenen politischen Linie wider. Fällt diese Meinungsdarstellung einseitig aus und fehlen Gegengewichte zu anteilsstarken Medienhäusern, so werden Medien zu machtvollen politischen Akteuren. In Peru, wie auch in vielen anderen Ländern Südamerikas, fällt die Regulierung des Medienmarktes durch die Verfassung gering aus. Das Ergebnis ist ein Informationsmarkt mit einer Tendenz zu großen Medienkonglomeraten, die kleineren unabhängigen Anbietern im Wettbewerb kaum noch Spielraum lassen.

Vier große privatgeführte Medienkonzerne dominieren das peruanische Informationsangebot. Die Gruppe rund um die älteste Tageszeitung des Landes El Comercio besitzt nicht nur die drei meistgelesenen Zeitungen (Trome, El Comercio, Peru21), sondern auch den meistgesehenen Fernsehsender (América TV). Das Medienunternehmen verfolgt eine bürgerlich-konservative Linie. An zweiter Stelle folgt die Mediengruppe RPP, die vor allem den Radiomarkt dominiert (RPP, Radio Capital). Seit einiger Zeit ist das Unternehmen auch mit einem Fernsehsender am Markt präsent. Im Bereich der Printpresse ist die zweitstärkste Gruppe EPENSA (Zeitungen Correo, Ojo). Die einzigen Zeitungen aus dem demokratisch linken Spektrum La República und La Primera kommen zusammen auf einen Leserschaftanteil von zehn Prozent. Darüber hinaus existiert eine große Anzahl an Boulevardzeitungen, die sogenannte Prensa chicha. Von einem pluralistischen Informationsangebot kann in Peru nicht die Rede sein.

 Diese Situation wurde vor allem während der Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr deutlich. Die peruanischen Medien gerieten in die nationale und internationale Kritik. Nach einem ersten Wahlgang stand im Juni 2011 eine Stich­wahl zwi­schen dem Links­-Na­tio­na­listen Humala und der Tochter des umstrittenen Ex-​Präsidenten Fuji­mori aus dem konservativen Lager an. Die peruanischen Fernsehsender sowie fast alle Tageszeitungen des Landes bekannten sich offen zur Kandidatin Fujimori. Außerdem fanden mehrere Entlassungen in El Comercio aufgrund der öffentlichen politischen Unterstützung des Kandidaten der Gegenpartei statt. Nicht nur in der Reihe der Journalisten sondern auch gesellschaftliche Persönlichkeiten Perus zeigten sich empört. Der Lite­ra­tur-No­bel­preisträger Mario Vargas Llosa kri­ti­sierte den Medienkonzern öffentlich: „El Comercio hat sich in eine Pro­pa­gan­dama­schine der Kan­di­datur Fuji­moris verwandelt“. Dass schlussendlich doch der in den Medien ungern gesehene Humala gewann, kann daher als positiv gewertet werden.

Medien in Peru 300x225 Journalismus in Peru: Wenn Medien Politik machen

11. April 2012

Texten fürs Netz

von

Auszug aus dem Titel „Onlinejournalismus“ aus der Buchreihe Wegweiser Journalismus

Inhaltlich und grafisch texten

Im Internet ist es immens wichtig, Texte übersichtlich zu gestalten, um sie leichter lesbar zu machen. Dabei helfen:

  • Kurze Absätze,
  • Intelligente Zwischenüberschriften,
  • Passende Platzierungen von Fotos,
  • Eindeutige Kennzeichnung von weiteren Elementen im Text wie Text- und Zitatboxen, Infokästen, Themenübersichten,
  • Statt des Aufzählungsknäuels die Tabelle oder Auflistung mit Spiegelstrichen oder anderen Gliederungspunkten.

Mehr Absätze!

Kürzere Absätze sind laut Nielsen- und Poynter-Eyetrack-Studien leichter lesbar. Das Auge kann sich besser orientieren. Sie empfehlen ein bis zwei Sätze pro Absatz.

Dies ist für unsere Lesegewohnheiten so ungewöhnlich, dass es für deutsche Onlinemedien eine zu extreme Empfehlung wäre. Doch der eine oder andere kurze Absatz würde deutschen Onlineberichten sicher nicht schaden.

Zwischenüberschriften sollten…

…nicht über jedem Absatz stehen, sondern am besten dort, wo ein neuer Aspekt aufgegriffen wird,
…nicht die Aussagen aus Überschrift, Teaser und Bildunterschrift wiederholen, die die Leser vermutlich bereits kennen,
…genauso sorgfältig getextet werden wie die Hauptüberschriften, vor allem sollten Zitate als solche kenntlich gemacht werden, also keine Aussagen von anderen im Indikativ wiedergeben,
…möglichst nicht eins zu eins Formulierungen aus dem Text enthalten, sondern neue Worte.


Die Buchreihe „Wegweiser Journalismus“ bietet journalistisches Grundwissen – für alle, die Journalist werden wollen oder ihr Wissen vertiefen möchten. Mehr zum Inhalt hier

21. März 2012

Die BBC – British Broadcasting Corporation

von

Die 1921 gegründete BBC (British Broadcasting Corporation) mit Stammsitz in Großbritannien ist weltweit mit rund 23.000 Mitarbeitern die größte gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Den öffentlich-rechtlichen Auftrag erhält sie durch die „Royal Charter“. Diese dient als konstitutionelle Grundlage der BBC und ist vergleichbar mit dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag. Als unabhängige und unparteiische Rundfunkanstalt produziert die BBC Radio- und Fernsehprogramme, die dem öffentlichen Interesse dienen und seine Zuschauer informieren, bilden und unterhalten sollen. Die BBC strahlt die Fernsehprogramme BBC One und BBC Two aus und betreibt sieben weitere digitale Fernsehkanäle. Zu den Radiosendern gehören beispielsweise BBC Radio1, BBC Radio2, BBC Radio3 und BBC Radio4.

Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert. Diese ist in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten und beträgt derzeit jährlich ca. 175 Euro. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei. Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Die im Ausland durch das Betreiben von Fernsehsendern, die Lizensierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern erwirtschafteten Erträge der BBC Worldwide werden an das Mutterunternehmen BBC zurückgeführt. Dadurch sollen Gebührenzahler in Großbritannien entlastet werden. Aufgrund ihrer Verlässlichkeit, der hohen Qualität ihrer Programme und ihrer neutralen Berichterstattung wird die BBC sehr geschätzt. So ist die Website der BBC www.bbc.com eine der reichweitenstärksten Internetseiten weltweit.

Die BBC hat ein großes Netz an Auslandskorrespondenten, die weltweit über aktuelle Geschehnisse vor Ort berichten. Für umfangreiche Berichterstattungen riskieren einige Journalisten ihr Leben, um über das zu berichten, was Lesern, Hörern, und Zuschauern sonst unvorstellbar geblieben wäre. Vor allem Journalisten in Krisengebieten sind bei ihrer Recherche vor Ort einem hohen Risiko ausgesetzt und selten zuvor waren Journalisten, die in Krisengebieten arbeiten, so gefährdet wie heute. Die Bereitschaft Journalisten als unbeteiligte Beobachter zu akzeptieren lässt nach. Anfang 2011 beispielsweise wurden drei BBC-Journalisten in Libyen von einheimischen Soldaten entführt. Ihre Berichterstattungen über den Bürgerkrieg und Aufständen in Libyen waren nicht erwünscht. Sie wurden festgehalten, geschlagen und misshandelt. Nach 21 Stunden wurden die Journalisten freigelassen und haben die Entführung überlebt. Doch nicht für alle Journalisten gehen Aufenthalte in Krisengebieten so „glimpflich“ aus. Schon viele Auslandskorrespondenten mussten mit ihrem Leben bezahlen.

Mehr Informationen findet ihr unter www.bbc.com oder www.bbcgermany.de.

7. März 2012

PR und Journalismus: Darstellung eines zwiespältigen Verhältnisses

von

„Journalismus möchte informieren, PR möchte verkaufen. Journalisten schreiben objektiv und kritisch, während PR-Leute einseitige und selbstdarstellende Pressemitteilungen schreiben. Public Relations-Beauftragte und Pressestellen von Unternehmen und Organisationen versuchen daher ihre Meinung in den Medien zu platzieren, mit dem Ziel von der Glaubwürdigkeit dieser zu profitieren.“ So oder so ähnlich wird das Verhältnis zwischen PR und Journalismus häufig auf wenige Sätze reduziert. Die Praxis sieht jedoch meist komplexer und weniger schwarz/weiß aus: Zahlreiche empirische Untersuchungen sprechen heute von einem Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit.

Das erste Missverständnis liegt häufig in einer sehr einseitigen Interpretation von Public Relations. Public Relations – kurz PR – wird häufig mit Werbung in einen gemeinsamen Topf geworfen. Grundlegende Unterschiede zwischen diesen beiden Bereichen der Unternehmens-/Organisationskommunikation liegen jedoch in ihren Adressaten und primären Zwecken. Während Werbung auf die direkte Absatzsteigerung abzielt, ist Public Relations um das Image eines Unternehmens oder einer Organisation bemüht. Wie auch der deutsche Name für PR, Öffentlichkeitsarbeit, schon sagt: der Fokus liegt auf den Beziehungen zur Öffentlichkeit. Ein Großteil dieser Bemühungen strebt eine möglichst hohe Medienpräsenz an. Dies hängt damit zusammen, dass Massenmedien wie Zeitungen, TV, Radio sowie Internetmedien eine wichtige Rolle bei der öffentlichen Meinungsbildung haben. Dinge, die in den Medien erscheinen, gelten in der Regel als gründlich recherchiert und verifiziert, sodass von vorneherein eine gewisse Glaubwürdigkeit für den Leser, Hörer oder Zuschauer gegeben ist.

Oft haben auch Politiker ihre eigenen Pressesprecher. Diese dienen als direkte Ansprechpartner für die Medien. Ihre Aufgabe ist es Informationen des Politikers möglichst mediengerecht weiterzugeben. Man spricht in diesem Zusammenhang von politischer PR. Im Gegensatz zu Werbung, die den potenziellen Käufer oder Wähler anspricht, wendet sich PR an die verschiedenen Bezugsgruppen, die ein Unternehmen, eine Organisation oder eine öffentliche Person umgeben. Dazu gehören nicht nur die Medien, sondern beispielsweise auch andere Unternehmen und Organisationen, Anwohner, soziale Bewegungen und spezifische Zielgruppen wie beispielsweise Eltern von Kleinkindern. Diese Adressaten sind oft nicht unmittelbar an einem Kauf oder ähnlichem interessiert, nehmen das Unternehmen/die Organisation und deren Tätigkeiten jedoch öffentlich wahr und bilden sich eine Meinung.

Welche Aufgabe kommt den Medien zu? Journalisten erhalten täglich etliche Pressemitteilungen von Unternehmen und Organisationen. Darin geht es meist nicht nur darum, das eigene Unternehmen oder die eigene Organisation schlichtweg positiv zu präsentieren, sondern auch um Neuigkeiten über das Unternehmen oder die Branche (Bsp. soziale Projekte, Eröffnung eines neuen Standortes), Stellungnahmen zu aktuellen Themen (Bsp. ein Energiekonzern äußert sich zu Atomkraft), Ergebnisse von Umfragen und Hinweise und Tipps für den Leser, Hörer oder Zuschauer. Es handelt sich also um Themen aus verschiedensten Ressorts (Wirtschaft, Politik, Service usw.), die für den Leser durchaus von Interesse sind. Selbstverständlich sind PR-Informationen um eine positive Darstellung ihres Absenders bemüht. Es liegt daher nach Erhalt der Presseinformationen in der Hand des einzelnen Journalisten, die ihm gelieferten Informationen kritisch zu hinterfragen und weitere Recherche zu betreiben. Häufig wird in den jeweiligen Unternehmen und Organisationen nochmals nachgefragt oder es werden unabhängige Experten zum Thema befragt, sodass eine ausgeglichene Berichterstattung gewährleistet werden kann. Empirische Studien haben ergeben, dass heutzutage ein Großteil der Nachrichten auf Pressemitteilungen beruht. Dies lässt sich auf den zunehmenden Zeitdruck auf Journalisten zurückführen. Häufig bleibt nicht mehr viel Zeit für Recherchetätigkeiten und Journalisten sind dankbar für die Lieferung von Informationen. Als Journalist gilt jedoch stets höchste Vorsicht bei der Übernahme von Presseinformationen. Ziffer 7 im Pressekodex schreibt die strikte Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten vor. Sollte ein Leser diesen Kodex als gefährdet sehen, hat er die Möglichkeit eine Beschwerde beim deutschen Presserat einzureichen. Der einzelne Fall wird dann vom Presserat intern überprüft und gegebenenfalls öffentlich sanktioniert. Auf diese Art und Weise wird das höchste Gut des Journalismus geschützt: Die Glaubwürdigkeit.

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8. Februar 2012

Crossmedia Journalismus

von

Die Veränderungen im Journalismus und in der Medienlandschaft erfordern neue Qualifizierungskonzepte. War bislang der Spezialist gefragt, so bestimmt heute die Nachfrage nach dem Allrounder, dem Crossmedia-Journalisten, den Arbeitsmarkt. weiterlesen »

1. Februar 2012

Internationales Maastricht: Die Geschichte einer zweisprachigen Unizeitung

von

Niederländische Unis erfreuen sich über ihre nationalen Grenzen hinaus großer Beliebtheit. Nicht nur viele deutsche Studenten entscheiden sich zu einem Studium in unserem Nachbarland, zunehmend nutzen auch viele Studenten anderer Nationalitäten das Studienangebot niederländischer Hochschulen. Mit einem Anteil von fast 45 Prozent nicht-niederländischer Studenten sowie über 30 Prozent nicht-niederländischer Mitarbeiter ist die Uni Maastricht die internationalste Hochschule im Land. Es ist nicht verwunderlich, dass daraus zum einen eine internationale Gemeinde, zum anderen ein Nebeneinander einzelner nationalgeprägter Gemeinschaften entstanden ist. Vielfalt auf der einen Seite, Spannungen zwischen niederländischer Mentalität und internationaler Studentenschaft auf der anderen Seite gehören im Maastrichter Unileben daher zum Alltag. Auch die Unizeitung Observant hat sich an das multikulturelle Ambiente angepasst.

Ein Gespräch mit Riki Janssen, Chefredakteurin bei Observant.

Erzählen Sie mir bitte ein paar Fakten über Observant.

Observant wurde 1980 gegründet und ist eine unabhängige Wochenzeitung der Uni Maastricht. Sie erscheint jeden Donnerstag, außer in den Weihnachts- und Sommerferien. Wir sehen uns als Service für die Universitätsgemeinde und befassen uns daher hauptsächlich mit Forschungs- und Bildungsthemen. Wir sind außerdem eine zweisprachige Zeitung: Innerhalb einer Ausgabe sind einige Artikel auf Niederländisch und andere auf Englisch. Neben der rein journalistischen Tätigkeit bieten wir seit einiger Zeit auch Workshops an. Darin geht es um verschiedene Bereiche wie das Schreiben eines Kommentars, einer Nachricht, eines Features oder das Erstellen einer Webseite. Die Workshops werden von verschiedenen Teammitgliedern von Observant geleitet.

Wer gehört zum Team von Observant?

Wir sind eine kleine Redaktion von fünf Journalisten, die hauptberuflich in Teilzeit für den Observant arbeiten. Wir haben die Fakultäten unter uns aufgeteilt, sodass einer sich beispielsweise um alle Themen und Neuigkeiten der Wirtschaftsfakultät widmet, ein anderer hat immer Kontakt zur sozialwissenschaftlichen Fakultät usw. Desweiteren hat jeder seine Rubriken, um die er oder sie sich kümmert. Unsere jüngste Redakteurin hat so einen guten Draht zu den Studentenverbindungen, die ja in den Niederlanden sehr wichtig sind und deckt Nachrichten aus dem studentischen Leben ab. Die Universitätsgemeinde ist wie ein kleines Dorf und jeder Redakteur hat sein kleines Netzwerk in den jeweiligen Bereichen. Zu unserem Team gehören auch acht Studenten, die regelmäßig neben ihrem Studium für uns arbeiten. Außerdem schreiben manche Studenten, die journalistische Erfahrungen sammeln möchten, einzelne Artikel.

War Observant schon immer zweisprachig?

Nein, das Schreiben von englischsprachigen Artikeln hat vor 15 Jahren begonnen, das heißt 20 Jahre nach Gründung der Uni Maastricht (1976). Wir sind ja eine sehr junge Uni. Damals nahm die Anzahl deutscher Studenten an der Wirtschaftsfakultät zu. Um sie und auch andere internationale Studenten mit unserer Zeitung zu erreichen, fingen wir an alle vier Wochen eine Ausgabe mit 4 Seiten auf Englisch zu veröffentlichen. Im Laufe der Jahre haben wir diesen internationalen Teil der Zeitung ausgebaut. Heute ist die erste Seite zweigeteilt und enthält Aufmacher auf Niederländisch und Englisch. Außerdem sind im Innenteil jeder Ausgabe zwischen zwei und fünf Seiten der Zeitung auf Englisch. Wir haben immer einen Gesamtumfang von 16 Seiten, wovon nur elf redaktionellen Inhalt haben, die anderen fünf befassen sich mit Veranstaltungen und Gemischtem. Das heißt, wenn wir mehr redaktionelle Seiten auf Englisch haben, nimmt der Anteil niederländischer Artikel ab. Wichtig zu sagen ist, dass wir keine Artikel übersetzen, sondern jeweils unterschiedliche Themen in den zwei verschiedenen Sprachen behandeln. Unsere Hoffnung dabei ist, dass niederländische Studenten auch auf Englisch lesen und vielleicht sogar auch internationale Studenten auf Niederländisch. Zurzeit entwickeln wir auch eine vollständige Webseite auf Englisch. Bisher ist nur ein kleiner Teil der Internetseite auf Englisch verfügbar.

Was ist besonders interessant, wenn man eine zweisprachige Zeitung für eine internationale Universitätsgemeinde schreibt?

Das Schöne und zugleich herausfordernde bei jeder Universitätszeitung ist, dass man es mit einem sehr gemischten Publikum zu tun hat. Damit meine ich nicht nur verschiedene Nationalitäten, sondern auch die Hintergründe der Menschen. Wir richten uns ja nicht nur an die Studenten, sondern auch an die Mitarbeiter. Und dazu gehört die Dame am Empfang des Student Service Centre genauso wie der Professor in Psychologie. Durch die vielen verschiedenen Forschungsprojekte ist auch unser Themenfeld sehr vielfältig. Das gibt unserer Arbeit das gewisse Extra. Das Schöne an einer internationalen Universitätsgemeinde ist, dass man mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen in Kontakt kommt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade internationale Studenten oft sehr engagiert sind. Ich denke, dass dies damit zusammenhängt, dass sie bereits die große Entscheidung getroffen haben, ihr eigenes Land zu verlassen und daher offene und ambitionierte junge Menschen sind. Die Arbeit mit diesen Leuten macht natürlich sehr viel Spaß.

Und welche Aspekte sind eher schwierig?

Eine Herausforderung ist natürlich immer auf einer Sprache zu schreiben, die nicht unsere Muttersprache ist. Die Sache mit den zwei Sprachen ist natürlich auch, dass niederländische Studenten sich immer mehr Artikel auf Niederländisch wünschen und internationale Studenten mehr Artikel auf Englisch. Aber dieser Konflikt wird auf irgendeine Art und Weise immer bestehen und lässt sich auch nicht ändern. Ein größeres Problem sind die Studentengruppen an der Uni, die aus einem Land kommen, sich zusammentun und nicht mit anderen internationalen oder niederländischen Studenten in Kontakt kommen. Sie lesen dann auch unsere Zeitung nicht. Dies ist vor allem bei deutschen Studenten an der Wirtschaftsfakultät der Fall. Da es so viele deutsche Studenten dort gibt, besteht natürlich nicht die Notwendigkeit mit anderen Nationalitäten in Kontakt zu kommen. Einerseits ist dies verständlich, andererseits aber auch sehr schade. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass sie gar nicht wirklich realisieren, dass sie im Ausland sind. Zum Glück ist dies an anderen Fakultäten ein bisschen anders, da hier auch die Studierendenschaft gemischter ist. Um diesen Integrationsprozess zu unterstützen hat Observant aber auch einige Rubriken, die speziell international ausgerichtet sind. Uns ist es aber eben auch sehr wichtig, den Großteil unserer Zeitung immer noch auf Niederländisch zu schreiben. Dies ist schließlich eine niederländische Uni in den Niederlanden.

Bitte nennen Sie mir doch einige Beispiele für solch international ausgerichtete Rubriken.

Wir haben beispielsweise eine Rubrik, die sich Sweet Home Alabama nennt. Hier erzählen internationale Studenten, was oder wen sie aus ihrem Herkunftsland am meisten vermissen und was sie als Andenken mit nach Maastricht genommen haben. Unsere Idee dabei war, dass die Unigemeinde mehr über ihre verschiedenen Studenten erfährt. Auf der ersten Seite hat eine ehemalige Studentin außerdem ihre eigene Kolumne Alison in Wounderland. Sie studiert zwar mittlerweile in England weiter, aber schreibt immer noch kurze, witzige Beiträge über alltägliche Erfahrungen aus ihrem Unileben. Auch Tipps für Veranstaltungen, die keine Niederländischkenntnisse erfordern, sind in jeder Ausgabe vorhanden. Wir möchten wirklich guten Service für alle Studenten und Mitarbeiter der Uni Maastricht leisten.

Das Interview wurde am 19. Januar 2012 von Diana Rösner geführt und aus dem Englischen übersetzt. Weitere Informationen über Observant findet ihr unter www.observantonline.nl.

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27. Januar 2012

Die Straßenzeitung draußen! – nur eine gewöhnliche Zeitung?

von

Straßenzeitungen, auch bekannt unter dem Namen Obdachlosenzeitungen, sind mehr als nur gewöhnliche Zeitungen. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal gesehen. Doch was macht sie so besonders und warum sollte man sie kaufen?

Straßenzeitungen sind in vielen Städten erhältlich und dienen einem bestimmten Zweck. Sie helfen Wohnungs-und Arbeitslosen ihr eigenes Geld zu verdienen und langfristig in ein normales Leben zurückzukehren. Das Prinzip ist einfach: Obdachlose verkaufen die Zeitungen auf der Straße und dürfen vom Verkaufspreis einen bestimmten Anteil behalten.  Damit können sie sich Sachen des täglichen Lebens kaufen.

Die Straßenzeitung „draußen!“ in Münster wurde 1994 von dem Wohnungslosen Karl-Heinz Weiten und dem Journalisten Peter Wolter gegründet. Ein Jahr später entstand daraus ein gemeinnütziger Verein und das Team der draußen! besteht mittlerweile sowohl aus festen Mitarbeitern, als auch aus Ehrenamtlichen, freien Mitarbeitern, „Ein-Euro-Jobbern“ und Praktikanten. Für das Layout der Zeitung und Redaktionelles ist derzeit Heinz Dalmühle verantwortlich. Finanziert wird der Verein hauptsächlich durch den Verkauf der Zeitungen und durch Spenden.

Das Team der draußen! unterstützt Obdachlose nicht nur finanziell, sondern beispielsweise auch im Umgang mit Behörden und bei der Arbeits- und Wohnungssuche. draußen! gibt arbeits- und wohnungslosen Menschen eine neue Perspektive. Anstatt zu betteln verdienen sie sich ihr Geld durch den Verkauf der Zeitungen und sie sind mit ihren Problemen nicht auf sich allein gestellt. Dies gibt ihnen Hoffnung, ihren Lebensstandard verbessern und bald wieder ein normales Leben führen zu können. Viele Straßenverkäufer haben es schon geschafft, mit Hilfe von draußen! einen Job oder eine Wohnung zu finden.

Viele Verkäufer der draußen! haben einen festen Stammplatz in Münster durch den sie einen dauerhaften Kundenstamm gewinnen können. Die bekanntesten Plätze sind die Salzstraße, die Bücherei, die Wochenmärkte, die Post und der Hauptbahnhof. Leser wissen wo sie ihren Lieblingsverkäufer antreffen können und durch Regelmäßigkeit kann eine gute Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer aufgebaut werden. Vom aktuellen Verkaufspreis von 1,80 Euro können die Straßenverkäufer jeweils 70 Cent behalten. Der Rest des Geldes fließt in den Druck und in die Redaktion der Zeitung.

Jeden Monat wird aus Münster und dem Rest der Welt über aktuelle politische, sozialkritische und sonstige Themen berichtet. Typisch für das Magazin sind Reportagen aus vielen Bereichen, die in anderen Medien nicht ausreichend thematisiert werden. Vor allem wird über Menschen berichtet, die in der Gesellschaft oft nicht berücksichtigt und ungerecht behandelt werden.

Das Magazin wird von den Lesern gut angenommen. Zahlen einer draußen!- Studie aus dem Jahr 2009 zeigen, dass jede Ausgabe durchschnittlich von 2,3 Personen gelesen wird. Die Zeitung kommt so mit einer verkauften Auflage von durchschnittlich 7.000 – 8.000 Exemplaren pro Jahr auf eine kumulierte Leserschaft von etwa 20.000 Personen jährlich, das heißt jeder zwölfte Münsteraner liest das Magazin.

Der Verein ist stets auf der Suche nach engagierten Schreibern und bietet die Möglichkeit, mit interessanten Stories an die Öffentlichkeit zu gelangen. Wenn ihr Interesse habt für die draußen! zu schreiben oder gerne spenden möchtet, findet ihr mehr Informationen auf der Website des Vereins unter www.strassenmagazin-draussen.de.

11. Januar 2012

Anzeigenblätter

von

Bei jedem von uns landen sie regelmäßig im Briefkasten, jeder kennt sie, jeder blättert gerne darin herum: Anzeigenblätter. Aber wo kommen sie her und wie setzen sie sich zusammen? Wie finanzieren sie sich? weiterlesen »

4. Januar 2012

Mehr als nur Schreiben: Studierendenzeitschrift an der Universität Münster

von

Nicht nur schreiben, sondern eine ganze Zeitschrift planen. Diese Möglichkeit nehmen junge Nachwuchsjournalisten beim Semesterspiegel, der Studierendenzeitschrift an der Universität Münster wahr. Sie legen den Titel der neuen Ausgabe fest, ordnen die Texte verschiedenen Rubriken zu und sorgen dafür, dass genügend Artikel für jede Ausgabe zur Verfügung stehen.

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Foto: Fabian Hörsken/Kulturbüro der WWU Münster

 

„Der Semesterspiegel ist eine Plattform für Studierende, um sich hochschulpolitisch auszutauschen“, beschreibt Andreas Brockmann, Chefredakteur des Semesterspiegels, das redaktionelle Konzept der Zeitschrift, die sieben Mal im Jahr erscheint. Texte schreiben kann jeder Student. Die Chancen für eine Veröffentlichung stehen zudem besonders gut, da jeder Artikel abgedruckt wird. Ein Honorar gibt es auch: 0,01 Euro für 4 Zeichen, 8 Euro für ein Foto, 15 Euro für eine Illustration und 10 Euro für ein Rätsel.

Wer festes Redaktionsmitglied werden will, hat es schwerer. Stellen für Redakteure werden im Semesterspiegel ausgeschrieben. Pro Stellenausschreibung gehen 15 bis 20 Bewerbungen ein. Besetzt werden die Plätze in einem formalen Auswahlverfahren mit Bewerbungsgesprächen. Ausgeschrieben werden die Stellen vom Herausgebergremium. Dies ist ein Ausschuss des Studierendenparlaments. Bei der Besetzung der Stellen wird darauf geachtet, dass es zu einer Vermischung der verschiedenen Fakultäten kommt. Die Finanzierung erfolgt über Studierendenbeiträge und Werbung. Jeder Mitarbeiter erhält eine Aufwandsentschädigung für die Arbeit, die er leistet.

Wer sich bewerben will, sollte sich hochschulpolitisch auskennen und erste journalistische Erfahrungen gesammelt haben. Wichtig für die Bewerbung sind vor allem Arbeitsproben. Andreas Brockmann versichert: „Die Arbeit ist neben dem Studium gut machbar, da nur die Redaktionssitzungen feste Termine darstellen. Ansonsten kann die Arbeit frei eingeteilt werden.“ Neben den Redakteuren gibt es beim Semesterspiegel noch einen Verantwortlichen für das Layout und die Geschäftsführung.

Pro Ausgabe trifft sich das Semesterspiegelteam zu drei festen Redaktionssitzungen. Schon vor dem ersten Treffen steht der neue Titel fest, da er bereits in der vorherigen Ausgabe angekündigt wurde. Nun geht es darum, wer welche Texte schreibt und welche freien Mitarbeiter noch angesprochen werden müssen. Die zweite Sitzung dient dazu abzusprechen, welche Planungsschritte bereits gut laufen und wo noch nachgehakt werden muss. Zur dritten Sitzung sind bereits alle Texte gelesen worden und die Abschlussplanungen werden vorgenommen. Besprochen wird zum Beispiel das Layout. Zudem werden Fragen geklärt wie: Sind alle Fotos da? Ist die Rubrikenaufteilung so passend?

Der fertige Semesterspiegel wird allen Studierenden in den verschiedenen Instituten der Uni und der FH Münster kostenlos zur Verfügung gestellt. Neugierig geworden? Selbst einen Eindruck von der Zeitschrift verschaffen, kann sich jeder unter www.semesterspiegel.de.