1. Februar 2012
Niederländische Unis erfreuen sich über ihre nationalen Grenzen hinaus großer Beliebtheit. Nicht nur viele deutsche Studenten entscheiden sich zu einem Studium in unserem Nachbarland, zunehmend nutzen auch viele Studenten anderer Nationalitäten das Studienangebot niederländischer Hochschulen. Mit einem Anteil von fast 45 Prozent nicht-niederländischer Studenten sowie über 30 Prozent nicht-niederländischer Mitarbeiter ist die Uni Maastricht die internationalste Hochschule im Land. Es ist nicht verwunderlich, dass daraus zum einen eine internationale Gemeinde, zum anderen ein Nebeneinander einzelner nationalgeprägter Gemeinschaften entstanden ist. Vielfalt auf der einen Seite, Spannungen zwischen niederländischer Mentalität und internationaler Studentenschaft auf der anderen Seite gehören im Maastrichter Unileben daher zum Alltag. Auch die Unizeitung Observant hat sich an das multikulturelle Ambiente angepasst.
Ein Gespräch mit Riki Janssen, Chefredakteurin bei Observant.
Erzählen Sie mir bitte ein paar Fakten über Observant.
Observant wurde 1980 gegründet und ist eine unabhängige Wochenzeitung der Uni Maastricht. Sie erscheint jeden Donnerstag, außer in den Weihnachts- und Sommerferien. Wir sehen uns als Service für die Universitätsgemeinde und befassen uns daher hauptsächlich mit Forschungs- und Bildungsthemen. Wir sind außerdem eine zweisprachige Zeitung: Innerhalb einer Ausgabe sind einige Artikel auf Niederländisch und andere auf Englisch. Neben der rein journalistischen Tätigkeit bieten wir seit einiger Zeit auch Workshops an. Darin geht es um verschiedene Bereiche wie das Schreiben eines Kommentars, einer Nachricht, eines Features oder das Erstellen einer Webseite. Die Workshops werden von verschiedenen Teammitgliedern von Observant geleitet.
Wer gehört zum Team von Observant?
Wir sind eine kleine Redaktion von fünf Journalisten, die hauptberuflich in Teilzeit für den Observant arbeiten. Wir haben die Fakultäten unter uns aufgeteilt, sodass einer sich beispielsweise um alle Themen und Neuigkeiten der Wirtschaftsfakultät widmet, ein anderer hat immer Kontakt zur sozialwissenschaftlichen Fakultät usw. Desweiteren hat jeder seine Rubriken, um die er oder sie sich kümmert. Unsere jüngste Redakteurin hat so einen guten Draht zu den Studentenverbindungen, die ja in den Niederlanden sehr wichtig sind und deckt Nachrichten aus dem studentischen Leben ab. Die Universitätsgemeinde ist wie ein kleines Dorf und jeder Redakteur hat sein kleines Netzwerk in den jeweiligen Bereichen. Zu unserem Team gehören auch acht Studenten, die regelmäßig neben ihrem Studium für uns arbeiten. Außerdem schreiben manche Studenten, die journalistische Erfahrungen sammeln möchten, einzelne Artikel.
War Observant schon immer zweisprachig?
Nein, das Schreiben von englischsprachigen Artikeln hat vor 15 Jahren begonnen, das heißt 20 Jahre nach Gründung der Uni Maastricht (1976). Wir sind ja eine sehr junge Uni. Damals nahm die Anzahl deutscher Studenten an der Wirtschaftsfakultät zu. Um sie und auch andere internationale Studenten mit unserer Zeitung zu erreichen, fingen wir an alle vier Wochen eine Ausgabe mit 4 Seiten auf Englisch zu veröffentlichen. Im Laufe der Jahre haben wir diesen internationalen Teil der Zeitung ausgebaut. Heute ist die erste Seite zweigeteilt und enthält Aufmacher auf Niederländisch und Englisch. Außerdem sind im Innenteil jeder Ausgabe zwischen zwei und fünf Seiten der Zeitung auf Englisch. Wir haben immer einen Gesamtumfang von 16 Seiten, wovon nur elf redaktionellen Inhalt haben, die anderen fünf befassen sich mit Veranstaltungen und Gemischtem. Das heißt, wenn wir mehr redaktionelle Seiten auf Englisch haben, nimmt der Anteil niederländischer Artikel ab. Wichtig zu sagen ist, dass wir keine Artikel übersetzen, sondern jeweils unterschiedliche Themen in den zwei verschiedenen Sprachen behandeln. Unsere Hoffnung dabei ist, dass niederländische Studenten auch auf Englisch lesen und vielleicht sogar auch internationale Studenten auf Niederländisch. Zurzeit entwickeln wir auch eine vollständige Webseite auf Englisch. Bisher ist nur ein kleiner Teil der Internetseite auf Englisch verfügbar.
Was ist besonders interessant, wenn man eine zweisprachige Zeitung für eine internationale Universitätsgemeinde schreibt?
Das Schöne und zugleich herausfordernde bei jeder Universitätszeitung ist, dass man es mit einem sehr gemischten Publikum zu tun hat. Damit meine ich nicht nur verschiedene Nationalitäten, sondern auch die Hintergründe der Menschen. Wir richten uns ja nicht nur an die Studenten, sondern auch an die Mitarbeiter. Und dazu gehört die Dame am Empfang des Student Service Centre genauso wie der Professor in Psychologie. Durch die vielen verschiedenen Forschungsprojekte ist auch unser Themenfeld sehr vielfältig. Das gibt unserer Arbeit das gewisse Extra. Das Schöne an einer internationalen Universitätsgemeinde ist, dass man mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen in Kontakt kommt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade internationale Studenten oft sehr engagiert sind. Ich denke, dass dies damit zusammenhängt, dass sie bereits die große Entscheidung getroffen haben, ihr eigenes Land zu verlassen und daher offene und ambitionierte junge Menschen sind. Die Arbeit mit diesen Leuten macht natürlich sehr viel Spaß.
Und welche Aspekte sind eher schwierig?
Eine Herausforderung ist natürlich immer auf einer Sprache zu schreiben, die nicht unsere Muttersprache ist. Die Sache mit den zwei Sprachen ist natürlich auch, dass niederländische Studenten sich immer mehr Artikel auf Niederländisch wünschen und internationale Studenten mehr Artikel auf Englisch. Aber dieser Konflikt wird auf irgendeine Art und Weise immer bestehen und lässt sich auch nicht ändern. Ein größeres Problem sind die Studentengruppen an der Uni, die aus einem Land kommen, sich zusammentun und nicht mit anderen internationalen oder niederländischen Studenten in Kontakt kommen. Sie lesen dann auch unsere Zeitung nicht. Dies ist vor allem bei deutschen Studenten an der Wirtschaftsfakultät der Fall. Da es so viele deutsche Studenten dort gibt, besteht natürlich nicht die Notwendigkeit mit anderen Nationalitäten in Kontakt zu kommen. Einerseits ist dies verständlich, andererseits aber auch sehr schade. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass sie gar nicht wirklich realisieren, dass sie im Ausland sind. Zum Glück ist dies an anderen Fakultäten ein bisschen anders, da hier auch die Studierendenschaft gemischter ist. Um diesen Integrationsprozess zu unterstützen hat Observant aber auch einige Rubriken, die speziell international ausgerichtet sind. Uns ist es aber eben auch sehr wichtig, den Großteil unserer Zeitung immer noch auf Niederländisch zu schreiben. Dies ist schließlich eine niederländische Uni in den Niederlanden.
Bitte nennen Sie mir doch einige Beispiele für solch international ausgerichtete Rubriken.
Wir haben beispielsweise eine Rubrik, die sich Sweet Home Alabama nennt. Hier erzählen internationale Studenten, was oder wen sie aus ihrem Herkunftsland am meisten vermissen und was sie als Andenken mit nach Maastricht genommen haben. Unsere Idee dabei war, dass die Unigemeinde mehr über ihre verschiedenen Studenten erfährt. Auf der ersten Seite hat eine ehemalige Studentin außerdem ihre eigene Kolumne Alison in Wounderland. Sie studiert zwar mittlerweile in England weiter, aber schreibt immer noch kurze, witzige Beiträge über alltägliche Erfahrungen aus ihrem Unileben. Auch Tipps für Veranstaltungen, die keine Niederländischkenntnisse erfordern, sind in jeder Ausgabe vorhanden. Wir möchten wirklich guten Service für alle Studenten und Mitarbeiter der Uni Maastricht leisten.
Das Interview wurde am 19. Januar 2012 von Diana Rösner geführt und aus dem Englischen übersetzt. Weitere Informationen über Observant findet ihr unter www.observantonline.nl.
