Das Interview

Das Interview stellt Rede und Gegenrede, Frage und Antwort in wörtlicher Rede gegenüber. Vor der Entscheidung für diese Textsorte stellen sich zwei Fragen:
1. Ist der Stoff, den ich hier zu bearbeiten habe, dazu geeignet, in Interviewform wiedergegeben zu werden?
2. Welches Ziel verfolge ich als Journalist mit dem Interview?

Ein Interview eignet sich nicht primär zur Vermittlung von Wissen. Wenn ich viel zu erklären habe, der Nutzer zum Verständnis des Themas eine Menge Vorwissen braucht und ich keine subjektiven Ansichten und Einschätzungen vermitteln will, wähle ich besser den Bericht.

Der Reiz des Interviews liegt in der Möglichkeit von Frage und Antwort, direkter Reaktion auf Rede und Gegenrede und damit in der Chance, eine lebendige Diskussion für den Nutzer nachvollziehbar zu machen. Zu unterscheiden sind:

  • Das Recherchegespräch zur Sicherung von Informationen, üblicherweise werden daraus nur ausgewählte Zitate veröffentlicht.
  • Das Interview zur Sache: Ein Gespräch mit Frage und Antwort, um einen Sachverhalt aufzuklären, für den der Interviewpartner kompetent und wichtig erscheint: „Wie kann man sich vor Banküberfällen schützen?“
  • Das Interview zur Meinung: Ein Gespräch zur Ergründung des ausdrücklichen Standpunkts eines Menschen zu einem bestimmten Thema: „Warum glauben Sie, dass die Polizei in der Bankraub-Affäre bisher keinen Fahndungserfolg erzielen konnte?“
  • Das Interview zur Person: Ein Gespräch, um dem Charakter eines Menschen nahezukommen, der für die Leser in einem bestimmten Zusammenhang von Interesse sein kann: „Sie sind Spezial-Ermittler bei der Polizei und wollen den Bankräuber aufspüren. Wie sind Sie auf diesen Beruf gekommen?“