Der Küchenzuruf

Henri Nannen, 1996 verstorbener Gründer und langjähriger Chefredakteur des STERN, prägte den Begriff „Küchenzuruf“ dafür, wie ein journalistischer Text grundsätzlich beschaffen sein sollte. Trotz des spießigen gesellschaftlichen Rollenschemas ist die Forderung Nannens auch heute aktuell:

„Was ist also ein Küchenzuruf? Wenn am Donnerstag der Hans mit seiner Frau Grete am Arm zum Kiosk pilgert, dort 2 Mark 50 hinlegt und den neuen STERN käuflich erwirbt und sie beide dann mit dem STERN unter dem Arm wieder gemütlich nach Hause wandern; und Grete sich dann in die Küche verfügt, sich die Schürze umbindet, um sich für den Abwasch vorzubereiten; und der Hans nebenan im Esszimmer Platz nimmt, den neuen STERN aufschlägt und mit der Lektüre der ersten Geschichte im neuen STERN beginnt; und wenn der Hans dann nach beendigter Lektüre dieser Geschichte voller Empörung seiner Frau Grete durch die geöffnete Küchentür zuruft: ‚Mensch Grete, die in Bonn spinnen komplett! Die wollen schon wieder die Steuern erhöhen!‘ – dann sind diese beiden knappen Sätze … der so genannte Küchenzuruf des journalistischen Textes.“

Anders gesagt: Der Journalist muss seinen Beitrag so verfassen, dass der Nutzer in der Lage ist, die zentrale Aussage in maximal zwei bis drei kurzen Sätzen wiederzugeben.